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Feste IP-Adresse: Was sie ist und wie Sie eine bekommen

Eine feste öffentliche IP-Adresse ist eine einzelne Internetadresse, die Ihnen gehört, sich nicht ändert und von überall im Internet erreichbar ist. Erst sie macht es möglich, etwas an einem Ort zu betreiben, mit dem sich andere verbinden müssen: einen Webserver, einen Mailserver, ein VPN, einen Minecraft-Server, eine Home-Assistant-Instanz oder den Stream einer Überwachungskamera. Ohne eine solche Adresse hat der Rest des Internets keinen verlässlichen Weg zu dem, was Sie betreiben.

Die meisten Anschlüsse für Privatkunden und kleine Büros haben keine. Diese Seite erklärt, warum sich das im letzten Jahrzehnt geändert hat, welche Optionen Sie 2026 tatsächlich haben und welche praktischen Vor- und Nachteile jede davon mit sich bringt. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den einfachsten Weg zu einer festen IP finden Sie ausführlich im Leitfaden „So bekommen Sie eine feste IP-Adresse".

Warum eine wirklich feste, wirklich öffentliche IP seltener ist als früher

2010 konnten Sie an die meisten privaten Internetanschlüsse einen Server hängen, und die Welt konnte ihn erreichen. Dass das nicht mehr so ist, hat einen konkreten Grund: Es gibt keine IPv4-Adressen mehr. Der IPv4-Adressraum umfasst rund 4,3 Milliarden eindeutige Adressen, und seit 2011 sind sie alle an die regionalen Internet-Registries vergeben. Neue Adressen werden heute auf einem Sekundärmarkt für etwa 40–60 USD pro IP gehandelt. Einem einzelnen Kunden eine eigene Adresse zu geben, ist für Ihren Internetanbieter also eine echte Investition, die er lieber vermeidet.

Stattdessen greifen Anbieter zu zwei Mitteln:

  • Dynamische Vergabe: Sie verteilen IP-Adressen aus einem kleinen Pool und vergeben sie neu, sobald Kunden die Verbindung trennen. Ihre Adresse bleibt vielleicht wochenlang gleich und ändert sich dann ohne Vorwarnung.
  • CGNAT: Sie teilen eine einzige öffentliche IP unter Hunderten oder Tausenden Kunden auf, indem sie am Rand des Providernetzes NAT betreiben. Eine echte öffentliche IP sehen Sie dabei nie (Sie erhalten stattdessen eine Adresse aus 100.64.x.x), und eingehende Verbindungen sind praktisch unmöglich.

Beides genügt zum Surfen, Streamen oder für Videoanrufe, denn dafür reichen ausgehende Verbindungen. Für Self-Hosting von allem, was von außen erreichbar sein muss, taugt keins von beiden. Das Ergebnis: Wer 2026 eine feste öffentliche IP-Adresse möchte, muss sich selbst darum kümmern.

Die vier echten Optionen

OptionMonatliche KostenOrtsunabhängig nutzbarLäuft auf eigener HardwareTypische E-Mail-Zustellbarkeit
Beim Internetanbieter beantragen10–100+ USD (meist Geschäftskundentarif)Nein: an den physischen Anschluss gebundenJaSchlecht (Privatkunden-CIDR oft auf Blocklisten)
VPS mieten (DigitalOcean, Hetzner usw.)5–50 USDJa, aber die Dienste müssen auf den VPS umziehenNein: die Dienste laufen in der CloudGut (nach dem Aufwärmen)
Dienst für dedizierte öffentliche IPs (z. B. GetPublicIP)8,99 USD/Monat pro IPJa: die IP gehört zum KontoJa: der Tunnel endet auf Ihrer HardwareGut (kommerzielle IP-Bereiche)
Mesh-VPN mit festem Exit (Mullvad, Tailscale Funnel)5–10 USDTeilweise: die IP des Exit-Knotens bleibt Ihre, solange das Abo läuftJaUnterschiedlich; oft schlecht (geteilte VPN-Reputation)

Keine dieser Optionen ist den anderen grundsätzlich überlegen; welche passt, hängt davon ab, worauf es Ihnen ankommt.

Feste IP vom Internetanbieter

Gut geeignet, wenn Sie ohnehin einen Geschäftskundenanschluss haben, E-Mail keine Rolle spielt und Sie nie umziehen wollen. Wer bereits für einen Geschäftsanschluss zahlt, fährt damit oft am günstigsten. Die K.-o.-Kriterien: an eine Adresse gebunden, aus Sicht des Internets meist trotzdem ein Privatkundenanschluss (Blocklisten), und der Kundenservice reagiert auf Anfragen wie „Ich möchte Port 25 freigeben" irgendwo zwischen schleppend und feindselig. In Deutschland haben viele Privatanschlüsse, etwa per DS-Lite im Kabelnetz oder bei Deutsche Glasfaser, gar keine eigene öffentliche IPv4. Eine feste IP vom Anbieter gibt es meist nur als Zusatzoption im Geschäftskundentarif oder überhaupt nicht.

VPS

Sinnvoll, wenn Ihre Dienste tatsächlich in der Cloud laufen können: ein Blog, ein Bot, eine statische Website. Nicht mehr sinnvoll, wenn es gerade darum geht, etwas auf Ihrer eigenen Hardware zu Hause zu betreiben: Dann zahlen Sie für einen VPS und Ihren Heimserver und haben zu Hause trotzdem keine eingehende Erreichbarkeit. Ein VPS ist außerdem die Standardlösung für alle, die eine saubere kommerzielle IPv4 für E-Mail brauchen.

Dienst für dedizierte öffentliche IPs

Ein Dienst wie GetPublicIP gibt Ihnen eine echte öffentliche IPv4 (und IPv6) auf dedizierter Infrastruktur und leitet den Datenverkehr dann per WireGuard-Tunnel an Ihren Server zu Hause oder im Büro weiter. Eingehende Pakete kommen an der öffentlichen IP an, laufen durch den verschlüsselten Tunnel und landen auf Ihrem Server. Ausgehende Antworten nehmen denselben Weg. Die IP ist portabel (Umzug, Anbieterwechsel, 5G als Ausweichverbindung), und um Blocklisten, Abuse-Abteilungen und die IPv4-Knappheit kümmert sich der Dienstanbieter. Stellen Sie es sich als „die nützliche Hälfte eines VPS" vor, ohne dass Ihre Dienste auf den Rechner eines anderen umziehen müssen.

Mesh-VPN mit festem Exit

Mit Tailscale Funnel, Cloudflare Tunnel und den Tarifen mit fester IP von Mullvad können Nutzer im Internet Ihren Rechner technisch gesehen alle erreichen. Jede Lösung hat aber ihre eigenen Grenzen: Cloudflare Tunnel terminiert SSL an Cloudflares Edge (Cloudflare sieht Ihren Datenverkehr im Klartext), Tailscale Funnel funktioniert nur für HTTPS und nur für freigegebene Domains, und feste VPN-IPs im Stil von Mullvad werden oft mit anderen Kunden geteilt. Für schnelle Einzelfälle in Ordnung; für alles, was dauerhaft laufen soll, schwächer als die ersten drei Optionen.

Kosten und Abwägungen im Überblick

  • Insgesamt am günstigsten: feste IP vom Anbieter bei einem bestehenden Geschäftskundentarif, sofern Sie eine bekommen und Ihnen E-Mail und Portabilität egal sind.
  • Am günstigsten mit Portabilität: Dienst für dedizierte öffentliche IPs. Mit 8,99 USD/Monat bezahlen Sie die IP und dafür, dass Sie sie nicht bei Ihrem Internetanbieter kaufen.
  • Am besten für saubere E-Mail: VPS oder Dienst für dedizierte öffentliche IPs, also alles, was über einen bekannten kommerziellen Adressbereich läuft.
  • Schlechtestes Preis-Leistungs-Verhältnis: Zusatzoptionen für feste IPs bei Mesh-VPNs: niedriger Preis, aber starke Einschränkungen, die Sie früher oder später einholen.

Die wichtigste Frage vor der Entscheidung lautet: „Wie beständig ist dieser physische Anschluss?" Wenn die Antwort lautet „Ich ziehe vielleicht um, wechsle den Anbieter oder möchte bei einer Störung auf 5G ausweichen", dann ist alles, was an Ihren physischen Anschluss gebunden ist, eine Falle: jetzt günstiger, aber später erzwingt es eine Migration. Dienste, bei denen die IP zu Ihrem Konto gehört und nicht zu Ihrem Anschluss, vermeiden das.

Wann Sie eigentlich gar keine feste IP brauchen

Nicht jedes Self-Hosting-Problem erfordert eine feste öffentliche IP-Adresse. Wenn Sie nur selbst aus der Ferne auf Ihre eigenen Dienste zugreifen wollen (Sie also der einzige Nutzer sind), ist ein Mesh-VPN wie Tailscale oder WireGuard einfacher, bei geringer Nutzung kostenlos und kommt ganz ohne öffentliche IP aus. Ihren Preis wert ist eine feste IP dann, wenn andere Ihre Dienste erreichen müssen: Kunden, die Ihre Website besuchen, Mailserver, die E-Mails zustellen, Spiele-Clients, die sich mit einem Server verbinden, oder entfernte IoT-Geräte, die sich zurückmelden.

Meistens bedeutet die Frage „Brauche ich eine feste IP?" eigentlich: „Müssen andere im Internet etwas erreichen können, das ich betreibe?" Wenn ja, brauchen Sie eine. Wenn nein, gibt es wahrscheinlich eine VPN-Lösung, die günstiger und einfacher ist.

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